Nationalpark Harz : 6 empfehlenswerte Ziele + Geheimtipp

Nordische Stabkirche in Goslar

Nach dem Kyffhäuser Gebirge sind wir weiter in den Nationalpark Harz gefahren. Er war schon länger auf unserem Urlaubsplan, alleine wegen Fotografie. Der Harz ist bekannt dafür, sehr lichtarme Gegenden zu haben und Sebastian hatte gehofft, die Milchstraße fotografieren zu können. Leider hat es nicht funktioniert, da diese erst zu einer späten nächtlichen Stunde zu sehen sein sollte und es nur ein Abend sternenklar war. Aber wir haben viele interessante Sachen im Nationalpark Harz erlebt und gesehen.

Teufelsmauer

Auf dem Weg nach Quedlinburg haben wir halt gemacht und sind an der Teufelsmauer spazieren gewesen. Es gab einen kleinen Rundweg von etwa 1 Stunde. Die Teufelsmauer verläuft mit Unterbrechungen ca. 20 km von Ballenstedt bis nach Blankenburg. Sie ist ein Sandsteingebilde der oberen Kreidezeit. Das sie unterbrochen ist, ist der Eiszeit und den Flüssen zu verdanken sowie dem beliebten Abbau des Sandsteins. Bereits Mitte des 19. Jh. wurde sie unter Schutz und Anfang des 20. Jh. bei Weddersleben unter Naturschutz gestellt.

Als wir dort wandern waren, war der Eindruck der Teufelsmauer einfach unglaublich. Zu wissen, so etwas altem gegenüber zu stehen, lässt einen demütig werden und die Schönheit nur genießen.

Quedlinburg

Der beste Stellplatz war sehr zentral unterhalb der Burg gelegen. Zu Fuß waren wir in 5 Minuten in der Altstadt. Da Quedlinburg ganz viele Fachwerkhäuser aus mehreren Jahrhunderten hat, haben wir eine Stadtführung mitgemacht. Es war sehr interessant zu hören, welche Gebäude aus welchem Jahrhundert sind und wie man sie erkennen kann. Die Altstadt wurde im 10. Jh. gegründet.

Marktplatz Quedlinburg
Marktplatz Quedlinburg

Das meiste davon habe ich allerdings wieder vergessen. Aber was ich behalten habe ist, dass man das Handwerk an der Hausfront erkennen kann. Bei einem Händler sieht man Tiere, überwiegend Elefanten. Ein Schuster hat Schuhe eingearbeitet usw. An der Art der Holzarbeit an der Front der Häuser kann man erkennen, aus welchem Jahrhundert das Haus stammt, ob der Balken abgerundet oder mit Riefen zu sehen ist.

Wusstet ihr, dass viele alte Fachwerkhäuser ab dem 1. Obergeschoss etwas über dem Untergeschoss raus gebaut wurden und das nächste Stockwerk auch? Das kommt daher, weil man zu den Bauzeiten Steuern für die Grundfläche und nicht für die Wohnfläche bezahlt hat. Darum hat man unten etwas weniger gebaut und oben dann immer etwas mehr an Wohnfläche angebaut.

Fachwerkhäuser in Quedlinburg
Verschiedene Fachwerkbauweisen in Quedlinburg

Die Burg selber ist sehr groß und wurde im 10. Jh. zur Grablege von König Heinrich I. Kurz darauf eröffnete seine Witwe ein Damenstift, dem sie vorstand. Otto I. , Sohn von König Heinrich, Otto II. und Otto III. waren regelmäßig in Quedlinburg zu Besuch.

Schloss Quedlinburg
Herbstliche Stimmung am Schloss Quedlinburg

Die Stadt ist so schön anzusehen mit ihren Fachwerkhäusern, dass sie auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Seit 1994 ist sie UNESCO Weltkulturerbe.

Vorhof zu Hölle in Quedlinburg
Hier gibt es sogar einen Vorhof zur Hölle 😀

Burg Regenstein

Zwischen Quedlinburg und Wernigerode liegt die Ruine der Burg und Festung Regenstein. Diese haben wir uns spontan angesehen und waren wirklich beeindruckt. Die Burg liegt auf dem Sandsteinfelsen des Regensteins und ist auf drei Seiten von steilen Felswänden umgeben. Also war es im Mittelalter schwierig, sie einzunehmen. Allerdings, wie bei jeder Hochburg, konnte man die Burgbewohner sehr leicht aushungern, wenn keine ordentliche Wasserzufuhr gewährleistet war.

Burg Regenstein
Gewitterwolken bei Burg Regenstein

Von der Burgruine sind noch Teile wie ein angedeuteter Turm vorhanden. Ein anderer Teil der Burg wurde aus dem Sandstein des Regensteins gehauen. Es gibt noch unglaublich viele und gut erhaltene Höhlen, die zum inneren Kreis der Burg zählen.

Aussicht aus der Burg Regenstein
Aussicht aus einer der Höhlen

Wenn man oben ein Stück runter laufen möchte, um zum „Beobachtungsposten zu kommen, kann man die Treppe nehmen oder aber die „Laufspuren der Vergangenheit“. Diese sind so tief, dass man sich fragt, wie die Menschen damals ohne zu stolpern vorwärts kamen.

Füße in den Laufstraßen von Burg Regenstein
Bastis Schuhe in den historischen Laufspuren

Die Festung vor der Burg besteht auch aus vielen Höhlen. Sogar die Pferdeställe waren in den Sandstein gebaut. Heute ist in den erhaltenen Höhlen eine Ausstellung mit den Dingen, die rund um Regenstein gefunden wurden.

Eine schöne Ruine und bei gutem Wetter hat man einen beeindruckenden Blick über das umliegende Land.

Herbstpanorama Burg Regenstein

Brocken

Den Brocken wollten wir natürlich auch sehen. Nach Schierke hin haben wir noch einen Zwischenstopp in Wernigerode gemacht und sind durch die Stadt gelaufen. Hier haben wir eine Spezialität gegessen: die Schneebälle. Ein Gebäck aus Mürbeteig mit Geschmacksrichtungen als Kugeln geformt. Sehr lecker.

Schneeballen

In Schierke angekommen war es schon spät und wir wollten den nächsten Tag mit Brocken abwarten. Doch der nächste Tag brachte Dauerregen sowie Wind bis Stärke 11 und wir nutzten ihn, um auszuruhen. Auch der darauffolgende Tag war nicht so toll, also fuhren wir weiter. Der Brocken muss also noch besucht werden.

Brocken
Der Brocken. Bei Windstärke 11 war er uns dann zum wandern doch etwas zu “heftig” 😉

Bad Harzburg

Hier haben wir eine Nacht gestanden und sind am nächsten Tag durch die kleine Stadt gelaufen. Wir hatten vorher gesehen, dass es hier einen Baumwipfelpfad gibt und den wollten wir uns antun. Das war eine wirklich gute Idee. Der Pfad läuft ca. 1000 m an den Baumwipfeln vorbei und ist zeitgleich ein Lehrpfad. Zudem ist er barrierefrei und kann auch geführt wahrgenommen werden. Den Rückweg haben wir über den Wurzelpfad am Boden gemacht.

Goslar

Diese Stadt durfte natürlich auch nicht fehlen. Der Campingplatz, den wir uns ausgesucht hatten, war etwa 2 km von der Innenstadt entfernt. Direkt am Platz fuhr mehrmals täglich ein Bus in die Stadt. Aber es gab auch einen tollen Fußweg durch den Wald dahin. Also sind wir gelaufen, sowohl hin als auch zurück.

Rathaus Goslar

Wie so vieles im Nationalpark Harz ist auch Goslar UNESCO Weltkulturerbe. Sie war einst König und Kaiserstadt. Hier wurden in der Kaiserpfalz, deren Grundstein 1025 gelegt wurde, Reichstage abgehalten. Auch diese Stadt beeindruckt wieder mit ihren alten Fachwerkgebäuden und schnuckeligen Gassen. Einen Besuch solltet ihr einplanen.

Beindruckende Fachwerkhäuser in Goslar

Wir waren insgesamt 4 h unterwegs und haben einige Kilometer geschafft. Finja war richtig K.O. und hat danach nur noch geschlafen.

Sebastians Geheimtipp

Auf der Suche nach einem günstigen Stellplatz im Nationalpark Harz, von der Barbarossa Höhle, sind wir auf den Erlebnis Gasthof “Brauner Hirsch” in Harztor gestoßen. Der Stellplatz selber ist sehr günstig und die Lage genial einsam. Hier konnten wir lecker gutbürgerlich essen. Angeschlossen ist eine eigene Brauerei.

Das Bier ist der Megaknaller. Bisher habe ich noch kein besseres Bier getrunken! Selbst das Bier auf der Isle of Skye, mit Bergwasser gebraut, kommt da nicht ganz mit. Falls ihr in der Nähe seit plant einen Besuch ein.

Sebastian

Für alle Fotografen, nicht die Kamera vergessen, hier im Nationalpark Harz herrscht Nachts in der Regel absolute Lichtarmut. Wir hatten im November einen Sternenhimmel der einem Gänsehaut verursacht.

Fazit Nationalpark Harz

Der Harz ist einfach schön, da er wenig in den Kriegen abbekommen hat und noch sehr viel aus den Jahrhunderten zuvor erhalten ist. Wir waren auf jeden Fall nicht das letzte Mal da.

Nationalpark Harz