Norwegen Teil 4 – Senja und Heimreise nach Duisburg

Eisbär im Sonnenuntergang in Dänemark

Die Insel Senja ist richtig schön, auch wenn wir nur einen kleinen Teil davon gesehen haben. Jetzt ist erstmal Finja wichtig und wir werden wieder kommen. Was passiert ist und warum wir auf schnellsten Weg wieder nach Hause mussten…

Botnham – traumhafter Platz in einer Bucht

Nach dem Duschen sind wir zu einem Nachtplatz nach Botnham gefahren und waren hin und weg von dem Platz. Er lag in einer Bucht hinter einem Friedhof direkt am Strand und hatte auch eine Sitzecke sowie eine Toilette. Der Strand war mal nicht steinig sondern sandig und das Wasser war klar. Von etwas erhöhter Sicht sah es blau-grün aus, wir bekamen richtiges Karibikfeeling. Das Wetter hat auch mitgespielt und die Sonne hat geschienen. Wir haben 2 Nächte dort gestanden und viel draußen gesessen.

Panorama vom Stellplatz auf Senja
Karibikfeeling auf Senja

Am 2. Tag sind die Männer auf einen kleinen benachbarten Hügel gegangen und haben von dort oben 2 Stunden Bilder gemacht. Wir Frauen haben am Platz alles zum Nähen aufgebaut, da wir einiges gesammelt hatten, was gemacht werden musste. Finja hatte auch die Sonne genossen und viel auf der Wiese gelegen. Es war richtig schön und entspannend, in der Sonne zu sitzen, zu nähen und zu quatschen. Als die Männer wieder kamen, ist Finja zwischen Sebastian und mir hin und her gelaufen und hat dann auf einmal aufgejault. Die Situation, was genau passiert ist, haben wir nicht gesehen, aber sie ist dann nur noch gehumpelt. Nachdem wir sie ein paar Stunden beobachtet haben, entschieden wir uns, am nächsten Tag in die Tierklinik AniCura in Finnsnes zur Untersuchung zu fahren. Der nächste Tag war natürlich ein Freitag, sodass wir nicht übers Wochenende warten wollten.

Nach einer kurzen Nacht, da die Klinik nur kurze Sprechzeiten haben, sind wir 1 Stunde bis zum Festland gefahren. Wegen Corona durfte keiner von uns bei der Untersuchung dabei sein. Da Finja aber sich nicht untersuchen lassen wollte, war ja klar, musste sie sediert werden, damit man sie in Ruhe röntgen und untersuchen konnte. Nach 1 Stunde holte uns dann der Tierarzt in den Besprechungsraum, um uns die Diagnose zu erklären. Er sagte uns, dass Finja am rechten Hinterlauf einen Kreuzbandriss habe, der auch operiert werden müsse. Das Problem sei, dass bei jedem Schritt, den sie mache, der Oberschenkelknochen über den Unterschenkelknochen rutschen würde und sie deswegen Schmerzen habe. Weiterhin erklärte er uns, dass es in jedem Fall besser sei, sie in der Heimat operieren zu lassen, da es eine langwierige Sache sei und sie sich besser in bekannter Umgebung erholen könne.

Ich habe dann erstmal ein paar Tränen verdrückt. Zum einen, weil mir Finja leid tat und es für sie Schmerzen bedeutet. Zum anderen, weil uns klar wurde, dass unsere Reise bald endet. Der Arzt meinte, es müsse in den nächsten 4 Wochen gemacht werden, weil sonst der linke Hinterlauf zu sehr belastet würde und die Gefahr eines weiteren Kreuzbandrisses, auf der anderen Seite, bestehen würde. Er gab uns für 4 Wochen Schmerztabletten mit. Wir mussten uns über die Situation klar werden und sprechen.

Da klar war, dass weitere 4 Wochen in Norwegen uns nicht viel bringen würden, da Finja sich nicht mehr belasten darf, entschlossen wir, am nächsten Tag uns auf den direkten Heimweg zu machen. Es hätte auch keinen Spaß gemacht, wenn nur einer von uns immer auf Tour gehen könnte, da einer bei Finja bleiben würde. Nach diesem Entschluss haben wir uns dann mit Pietstraumreise getroffen und den Nachmittag und Abend noch mit ihnen verbracht. Auch haben wir uns überlegt, wie viele Kilometer wir am Tag fahren wollen, da es insgesamt von Senja bis Duisburg 2700km sind. In Norwegen kann man meist nicht schneller als 80 kmh fahren, da es keine direkte Autobahn gibt und zusätzlich es sehr kurvig ist. Wir entschlossen uns auf 400-500km am Tag, da das schon etwa 7-8 Fahrtzeit inklusive Pausen verschlingt.

Heimweg – 2700km bis nach Duisburg

Den ersten Tag sind wir dann knapp 300km gefahren. Wir hatten noch ein bisschen länger geschlafen, da der Abend zuvor doch länger geworden ist. In Ulvsvag standen wir für die Nacht an einem Fjord direkt in Wassernähe. Es war ein super schöner Platz und wir hofften, dass wir vielleicht nochmal Nordlichter sehen werden. Leider wurde daraus nichts, aber es gab einen tollen Sonnenuntergang. Morgens hat uns Finja recht früh geweckt. Sie hatte ihre Schmerzmedikamente wohl nicht so gut vertragen und musste dann raus. So sind wir auch früh wieder auf der Straße gewesen.

Sonnenuntergang in Ulvsvag
Sonnenuntergang in Ulvsvag

450km haben wir insgesamt geschafft. Einen Zwischenstopp haben wir am Artic Circle eingelegt und auch etwas gegessen. Sebastian hat dort dann ein paar Fotos gemacht und ich war im Center shoppen.

Der Polarkreis am Arctic Circle Center in Norwegen
Der Polarkreis am Arctic Circle Center in Norwegen

Weiter ging es nach Laksforsen zum Wasserfall, wo Basti schöne Bilder gemacht hat. Eigentlich wollten wir dort auch übernachten. Aber zum einen war es zu laut und zum anderen die Standfläche zu uneben. Ich wollte nicht dort bleiben und so sind wir noch ein kleines Stück weiter bis nach Trofors gefahren. Da hatten wir einen schönen Platz direkt am Fluss und einen kleinen Wasserfall gab es gratis dazu. Heute verträgt Finja die Tablette wohl ganz gut und müssen nur jetzt mal abwarten, wie die Nacht verläuft. Zusätzlich bekommt sie ja auch die Aufregungen von uns mit, jeden Tag weite Strecken zu fahren. Wenn alles gut geht, sind wir Freitag oder Samstag in Duisburg.

Laksforsen
Wassefall Laksforsen

Auf dem weiteren Weg an der E6 entlang haben wir an einem Rastplatz eine Mittagspause gemacht und hatten einen super schönen Weitblick über das Umland. Wir sind dann an der E6 weiter gefahren bis hinter Oppdal und haben dann dort einen Platz etwas oberhalb der Straße zum Übernachten gefunden. Der Platz war genau in einer Talschlucht, links und rechts gingen die Berge hoch und der Bach floss unten entlang. Abends wurde es dann richtig windig, der Wind fegte ordentlich durch die Schlucht. Unser Bus wurde durchgerüttelt und wir waren froh, dass wir mit dem Wind stehen konnten. Aber wir haben super gut geschlafen. Sobald wir im Bett waren, haben wir auch von dem Wind nichts mehr gemerkt. Am Morgen beim Kaffee haben uns dann ein paar Schafe besucht, die da auch wieder frei rumliefen. Was natürlich hier auch eine gefährliche Kiste ist, weil die E6 eine Schnellstraße ist und die Autos fahren da wirklich nicht langsam.

Bergkette am Stellplatz Oppdal
Bergkette am Stellplatz Oppdal

Unser nächstes Tagesziel war Rade hinter Oslo, kurz vor der schwedischen Grenze. Wir sind dann nicht komplett die E6 gefahren, sondern sind vorher abgebogen und haben eine wundervolle Fahrt durch die Berglandschaft gehabt. Ich war der Fahrer und habe es genossen, die kurvenreiche Strecke zu fahren. An der E3 sind wir dann ausgekommen und wollten langsam eine Mittagspause einlegen. Ein paar Meter weiter war ein Rastplatz, wo ein riesiger silberner Elch direkt auf einem Platz an der Straße gestanden hat. Dort haben wir dann Pause gemacht und natürlich auch Fotos mit dem Elch und unserem Eisbär. Das sah richtig toll aus. Die Elchstatue ist zurzeit mit 10,1 Metern die größte Skulptur auf der Welt! 🙂

Eisbär, Elchstatue und Finja
Eisbär, Elchstatue und Finja. Was für ein Größenunterschied! 😀

Danach ging es dann weiter Richtung Oslo und nach Rade. Die Berge werden langsam weniger, teilweise sah die Landschaft aus wie in Bayern oder wie im Harz, dann kamen mal wieder Berge und nun ist nur noch flaches Land hier hinter Oslo. Als wir durch Oslo gefahren sind, hier gab es mal wieder eine richtige Autobahn, haben wir unglaublich viele Elektroautos gesehen. Alles Tesla, Ford, VW…hier ist man richtig weit mit Elektroautos.

So viele haben wir noch nie auf einmal gesehen. Nachdem wir auf der bisherigen Strecke unserer Heimreise wenige bis keine Tunnel mehr hatten, gab es hier direkt mehrere hintereinander. Unseren längsten Tunnel, den wir hier in Norwegen gefahren sind, war 8,6 km lang. Allerdings wissen wir, dass es auch Tunnel bis zu 20 km gibt, wo dann auch mittendrin im Tunnel ein Kreisverkehr ist. Die werden wir dann wohl nächstes Jahr sehen, wenn wir wieder nach Norwegen fahren, weil die eher in Richtung Küste liegen.

Fluss an der E3
Fluss an der E3

In Rade angekommen gibt es für uns einen kleinen Temperaturanstieg. Wir haben in der oberen Hälfte Norwegens bei Temperaturen von 10-13° tagsüber verbracht und hier ist es jetzt 17° tagsüber. Die Sonne scheint und wir haben einen schönen Abendhimmel. Bei dem Caravanhändler übernachten wir und alle sind Services umsonst. Man darf sogar umsonst duschen gehen. Sie spekulieren natürlich darauf, dass man in den Laden kommt und auch etwas kauft, haben wir natürlich auch gemacht. Auf die Dusche haben wir uns gefreut, war die letzte doch schon ein paar Tage her. Morgen wollen wir durch Schweden bis Dänemark fahren, nur als Transitstrecke, und ab Dänemark dann nach Hause. Die Brücken über das Meer sind unser Ziel, da wir Finja nicht über 2 Stunden alleine während einer Fährfahrt im Auto lassen wollen, weil sie unter Umständen dann von den Sitzen runter springt. Mit ihrem verletzten Bein wäre das natürlich kontraproduktiv.

Die Fahrt am nächsten Tag war dann echt anstrengend, weil es super super windig bis stürmisch war und man das Auto echt gegen halten musste. Und dann hat es irgendwann auch noch angefangen zu regnen. Als wir Norwegen dann verlassen haben, waren wir echt sehr traurig. Es war so schön hier und wir haben so vieles noch nicht gesehen. Wenn alles gut geht, sind wir nächstes Jahr wieder da. Schweden hat landschaftlich erst mal das Gleiche geboten, wie der Süden von Norwegen. Der Grenzübergang war mal wieder richtig unspektakulär, es war keiner im Zollhäuschen und man konnte ohne Kontrolle durchfahren.

Schweden hatte anfangs noch ein paar Fjorde, dann glich die Landschaft mehr wie Bayern. Die Häuser waren nun öfter aus Stein und weniger aus Holz. Trotzdem war es beim Durchfahren schön, die Landschaft zu betrachten. Wenn die C-Krankheit es zulässt, werden wir auch Schweden nächstes Jahr besuchen. Landschaftlich mit Sicherheit ein Highlight.

In Malmö angekommen sind wir dann auf die Öresundbrücke gefahren. Da wir das Ticket vorher gebucht und bezahlt haben, konnten wir in einem durchfahren. Die Grenze zwischen Dänemark und Schweden liegt mitten auf der Brücke und natürlich gibt es dort keine Grenzgebäude oder Personen, die dich kontrollieren und auch nicht, wenn man auf die Insel von Dänemark kommt. Der Tag war lang, die Fahrerei sehr anstrengend und so haben wir uns einen super tollen Nachtplatz verdient.

Öresundbrücke im Regen
Öresundbrücke im Regen

In Boeslunde haben wir an einem Strand gestanden und hatten sogar einen tollen Blick auf die 2. Brücke Dänemarks. Die Sonne schien, aber auch hier war es sehr windig. Mit dem Wind stehend hat unser Eisbär auch nicht so arg geschaukelt. Und am Abend hatten wir dann auch einen wunderschönen Sonnenuntergang. Die Nacht haben wir gut geschlafen, trotz Wind.

Storebeltbrücke
Storebeltbrücke

Nach dem Kaffee ging es dann weiter. Da Basti Fotos von der Brücke machen wollte, bin ich dann auch gefahren. Es war immer noch sehr windig und dadurch anstrengend, den Wagen in der Spur zu halten. Dänemark hat sich auch von seiner schönen Seite gezeigt und liegt auch auf unserem Reiseplan. Hier haben wir dann nach 4 Monaten unseren ersten Stau erlebt, der aber wegen Baustelle auch schnell wieder vorbei war.

Schnell war die deutsche Grenze erreicht und, oh Wunder, hier waren auch keine Kontrollen. Es stand nur ein Van an der Seite, wo man einen Test hätte machen können. Auf der dänischen Seite wurde kontrolliert. Nach einem Fahrerwechsel waren wir dann bei den Elbtunneln angelangt. Oh Graus, was für ein Stau. Unsere Nerven lagen blank, als wir endlich da durch waren. Unglaublich, kaum ist man in Deutschland, gibt es wieder Verkehrschaos. Und Baustellen, die es schon Jahre gibt. Bei Bremen haben wir dann eine Essenspause eingelegt, endlich mal wieder Fastfood.

Unsere Nacht haben wir dann in Bramsche an einem Thermalbad verbracht. Am nächsten Tag wurde ausgeschlafen, da wir ja nur noch 2 Stunden Fahrt bis Duisburg hatten. Dann noch getankt, so günstig wie die letzten 4 Monate nicht mehr, und zurück auf die Autobahn. Nach knapp 2 Stunden waren wir dann auch daheim und froh darüber, die Gewaltstrecke hinter uns zu haben. Nach 7 Tagen und 2700 km haben wir es geschafft. Jetzt kommt erstmal Finja dran und wenn alles gut geht, sind wir bald wieder auf der Straße.

Weitere Bilder findet ihr in der Fotogalerie Norwegen.