Mit dem kleinen Örtchen Bönhamn haben wir die Region Höga Kusten hinter uns gelassen. Das war wirklich eine schöne Gegend und es gab viel zu sehen. Auf der weiteren Strecke haben wir nicht mehr so viele Punkte an der Küste und alles, was im Inland ist, meiden wir momentan. Wir wollen über Skelleftea in den Norden nach Lappland in die Berge, vielleicht haben wir da Glück mit den Mücken. Und dann sehen wir bestimmt auch endlich Rentiere. Bisher hatten wir kein Glück damit gehabt.
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Bjuröklubb Naturreservat – schöner Strandabschnitt
Von Umea aus sind wir dann bis Bjuröklubb Naturreservat gefahren. Hier haben wir uns auf einen Parkplatz gestellt, der einen direkten Zugang zum Strand hat. Erst konnten wir aus dem Fenster noch die Ostsee sehen, aber dann hat sich jemand mit Wohnwagen in unser Blickfeld geschoben. Am Strand hatte Finja richtig Spaß gehabt und ist erstmal rumgetobt. Allerdings gab es hier vermehrt Mücken, da auch kaum ein Lüftchen wehte. Am Bus waren es nicht ganz so viele. Da wir keine frischen Möhren zum Kochen für Finja mehr haben, wollten wir am nächsten Tag wieder weiter und einkaufen. Doch abends fiel Sebastian ein, dass wir noch Trockenmöhren zum Einweichen haben und so sind wir noch einen Tag geblieben.

Die Nacht hatte ich nicht ganz so gut geschlafen. Mein linkes Bein mit Restless Leg hat mich genervt. Am liebsten hätte ich das Bein abgeschraubt, damit ich schlafen kann. Naja, so ist das halt, hält einen wach. Dafür habe ich dann ausgeschlafen und wir wollten ja eh noch bleiben. Also wurde ein Arbeitstag eingelegt. Ich habe die Berichte fertig geschrieben und Basti hat Bilder bearbeitet und den nächsten Bericht online gestellt. Am Strand war es auch besser mit den Mücken und da haben wir noch ein paar schöne Fotos dort gemacht.

Am nächsten Tag wollen wir dann nach Skelleftea einkaufen und die Kirchenstadt besuchen. Wir sind nicht mehr so weit von der finnischen Grenze entfernt und jetzt muss man schon nach geeigneten Schlafplätzen an der Küste suchen. Mal sehen, wo wir noch was finden, denn dann geht es an der Grenze rauf in den Norden. Norwegen will wohl in 4 Wochen die Grenzen auf machen und vielleicht schaffen wir es ja, die Wochen im Norden in den Bergen zu verbringen, damit wir dann rüber können.
Skelleftea – der Kirchenstadtteil Bonnstan
Nachdem wir morgens noch ein bisschen im Bus geputzt haben, haben wir uns auf den Weg nach Skelleftea gemacht. Dort gibt es den Stadtteil Bonnstan, was früher eine Kirchenstadt war. Dieser Stadtteil besteht aus Holzwohnhäusern, die im 17. Jh aufgebaut wurden. Die Kirchstädte waren zum größten Teil im Norden Schwedens zu finden und ist die Folge des Aufkommens der protestantischen Kirche. Für die Einwohner wurde es Pflicht, jeden Sonntag und Feiertag in die Kirche zu kommen und da die meisten Menschen weiter entfernt wohnten, wurden diese Kirchstädte erbaut.

An den Wochenenden kamen sie dann in ihr Holzhaus, um an der Messe teilnehmen zu können. Aber es gab auch durch das Treffen an den Wochenenden regen Austausch von Informationen, die wichtig waren für die Einwohner. Man sah auch mal andere Menschen als nur die auf dem eigenen Hof. Es wurde Arbeit vergeben oder man lernte seinen Ehepartner hier kennen. Die Kirchpflicht galt bis Mitte des 19. Jh, aber selbst danach hatte die Tradition Bestand.

Als die Zeit der Straßen und Autos kam, wurden die Häuser sich selbst überlassen, da man ja nun auch von zu Hause kommen konnte. Die Häuser verfielen langsam und in den 70er Jahren wurden sie renoviert und seitdem erhalten. Allerdings kann man auch heute noch sehen, dass einige der Häuser noch genutzt werden und sich die Menschen dort treffen.
Nach dem Besuch dort sind wir noch einkaufen gewesen und dann weiter die Küste entlang zu unserem nächsten Stellplatz.
Mehr Informationen über die Kirchenstadt Bonnstan findet ihr hier:
Gammelstad (Alte Stadt) – die größte und besterhaltene Kirchstadt Schwedens
Es muss gewaschen werden, also mal wieder ein Campingplatz. In Pitea haben wir dann einen gefunden, der auch eine Waschmaschine hat. Es soll der 2. Größte in Schweden sein und 5 Sterne haben. Als wir da ankamen, war der Platz noch ziemlich leer. Da Jetzt überall in Schweden Ferien sind, haben wir mit mehr Belegung gerechnet. Für Familien mit Kinder ist der Platz richtig super! So viel Animation haben wir auf keinem Platz bisher gesehen. Ich habe auch sofort mit dem Waschen angefangen und 2h später war die Wäsche fertig, mit Trockner! Das Beste daran war, dass alles im Preis enthalten war!

Am nächsten Morgen noch schnell geduscht und dann weiter gefahren. Gammelstad ist mit über 400 Häusern die größte Kirchstadt Schwedens und Weltkulturerbe. Mitte des 16. Jh wurden die ersten Holzhäuschen um die Kirche gebaut, die Anfang des 15. Jh aus Stein erbaut wurde. Die Häuschen haben fast alle nur ein Zimmer, in welchem alles vorhanden war. Es musste Platz gespart werden, also gab es entweder eine alte Form der Schlafcouch oder einen Bettenhochschrank. Zudem einen offenen Kamin, wo auch gekocht wurde, ein Tisch mit Stühlen und oft noch ein Sekretär. Manche Häuser hatten eine 2. Etage oder noch ein Zimmer nebenan, was dann vermietet wurde.

In Gammelstad sind die Kirchbräuche noch lebendig. 3 – 4 Mal im Jahr werden die Gemeindemitglieder zu Kirchenfeiertagen eingeladen. Bei dem traditionellen Konfirmandenunterricht vor Mittsommer wohnen die Jugendlichen sogar in den Kirchhäusern. Die haben in der heutigen Zeit Strom und Heizung, aber kein fließend Wasser oder Toilette. Dafür gibt es mehrere Servicehäuser, wo auch geduscht werden kann. Eins der Häuser kann man besichtigen und die typische Ausstattung sehen. Ein junges Mädel saß in dem Haus und beantwortete meine Frage, ob die Häuser noch genutzt werden.

Die meisten Häuser sind in privater Hand und werden oft als Wochenend- oder Ferienhäuser genutzt. Natürlich treffen sich die Menschen auch an den hohen Feiertagen oder Mittsommer und sitzen zusammen. Einige Häuser sind in der Hand eines Vereines und werden in Schuss gehalten. Es war wirklich alles sehr interessant anzusehen.

Alter Fähranleger und Haparanda – Schlafplatz mit Lost Place Effekt und Grenzstadt
Kurz vor der Insel Seskarö haben wir einen Übernachtungsplatz gefunden. Es ist ein alter Fähranleger, der schon ein bisschen nach Lost Place ausschaut. Erst haben wir überlegt, was die Gebilde am Ufer sind, ich dachte an einen Bootseinlass. Doch als wir auf der gegenüberliegenden Inselseite das Gleiche gesehen haben, konnte es nur ein Fähranleger sein. Heute werden die 2 Inseln von einer Brücke verbunden. Hier haben wir unsere letzte Nacht an der See verbracht. Jetzt geht es nur noch hoch in den Norden und somit nur an den Fluss oder an Seen.

Man hat an beiden Seiten des Fähranlegers die Ostsee und gegen Abend riss der Himmel auf und bescherte uns noch traumhafte Sonnenbilder. Geschlafen haben wir auch gut und nachdem wir beschlossen hatten, doch weiter zu fahren anstatt noch eine Nacht zu bleiben, haben wir uns gegen Mittag auf den Weg nach Haparanda gemacht. Das ist die letzte schwedische Stadt an der Küste vor der finnischen Grenze. Dort haben wir erstmal eingekauft und Pause gemacht. Ein paar Bilder von Finnland waren auch noch drin, allerdings kann man noch nicht rüber fahren.

Basti hatte gelesen, dass man ab Mitte Juli nach Norwegen kann und so ist nun unser Plan, bis dahin den Norden Schwedens zu erkunden und dann rüber zu fahren. Mal sehen, ob wir das alles so machen können und ob man dann tatsächlich auch über die Grenze kommt. Wir haben ja Zeit.
Camping Polcirkeln in Jucksengi – unsere bisher schlimmste Nacht
Auf dem Weg weiter in den Norden und unserem ausgesuchten Stellplatz haben wir noch den schwedischen Santa Claus besuchen wollen. Als wir dort ankamen, war direkt am Fluss gelegen ein Campingplatz und auf diesem sollte der Santa Claus sein. Wir haben ihn dann nicht gesucht. Allerdings waren wir von dem Flussabschnitt total begeistert. Hier gab es ganz heftige Stromschnellen. Manche Wellen sind so hoch gewesen, dass das Wasser nur so gespritzt hat.

Der Punkt hieß Kukkolaforsen und das hätte uns eigentlich hellhörig werden lassen. Forsen ist immer eine Bezeichnung für Wasserfälle bzw alles, was mit Wasser zu tun hat. Hier gab es einige Fischer, die allerdings nicht mit der Angel gefischt haben sondern mit Käschern. Auf der finnischen Seite waren auch ziemlich viele Leute da und haben gefischt.

Die Stellplatzsuche stellte sich als sehr schwierig dar. Der erste Platz war an einem See mitten im Wald und als wir ausstiegen und etwas laufen waren, kamen die Mücken nur so angeflogen. Beim 2. sind wir gar nicht erst ausgestiegen, so stoben die Schwärme bei der Ankunft nur hoch. Als wir den Weg zurück fuhren, sahen wir schon eine Frau mit Netz über dem Kopf. Bei dem 3. stand geschrieben, dass man nach einer kurzen Rast eine schöne Weiterfahrt wünscht. Wir waren genervt! Der Tag hatte so schön und entspannt angefangen und nun fanden wir keinen Platz!
Gegen 20 Uhr sind wir dann auf einem Campingplatz am Polarkreis angekommen, Camping Polcirkeln. Es ist nur ein kleiner Stellplatz, hat aber alles da. Da es schon so spät war und wir keine Lust mehr hatten, etwas zu kochen, haben wir uns eine Pizza bei dem Betreiber gegönnt. Später sind wir noch zur Weltkugel gelaufen, die den Polarkreis markiert. Und was soll ich sagen, wir wurden von Mücken nur so belagert!!!

Die Nacht war richtig schlimm! Unser Bus war von allen Seiten außen halb schwarz, so viele Mücken hingen an dem Auto. Durch das Laufen hatten wir schon die ein oder andere Mücke mit ins Auto genommen. Aber als wir schlafen wollten, kamen immer mehr rein. Alles haben wir dicht gemacht, jeden Schlitz, die Lüftungen, die Fenster. Und trotzdem fanden sie ihren Weg in den Bus…
Versehentlich ist Sebastian dann noch der Toilettendeckel durchgebrochen. Geschlafen haben wir nur etwa 2h in der Nacht und gegen halb 8 sind wir dann völlig erschöpft und genervt aufgestanden. Das war definitiv das schlimmste Mückenerlebnis, was wir bis jetzt hatten. Unsere Überlegung, wo es hin geht und wir einen Baumarkt für einen neuen Toilettensitz finden, führt uns jetzt erstmal der Weg in die Berge in der Hoffnung, dass es dort besser sein wird!!!
Weitere Bilder findet ihr in der Fotogalerie Schweden.
